Das ist der schönste Tag meiner Karriere
Mit vielen Emotionen endeten am Sonntag die Österreichischen Staatsmeisterschaften auf der Straße in Schwanenstadt. Denn sowohl für Lokalmatador Michael Gogl (Alpecin – PremierTech) als auch die Kärntnerin Katharina Sadnik (Visma – Lease a Bike) war es das erste Mal, dass sie sich die Meistertrikots überstreifen durften in der Elite. Gogl gewann den Zweiersprint gegen Felix Großschartner (UAE Emirates XRG), Sadnik setzte sich gegen Christina Schweinberger (Fenix – PremierTech) durch. Bronze sicherte sich bei den Frauen Carina Schrempf (Fenix – PremierTech, bei den Männern war es der junge Tiroler Marco Schrettl (XDS Astana), im Vorjahr Bronzemedaillengewinner bei den U23-Weltmeisterschaften im Straßenrennen. Foto: Cycling Austria
“Das Rennen war durchsetzt von vielen Attacken. Als dann Christina in die Offensive ging, wusste ich, ich muss nachsetzen. Ich konnte die Lücke schließen und wir haben gut zusammengearbeitet“, blickte Sadnik auf das Rennen zurück. Im Vorjahr gewann sie noch den U23-Gesamtweltcup im Mountainbike Short Track, seit Jahresanfang tritt sie für das niederländische WorldTeam in die Pedale. Ihr Umstieg auf die Straße ist gerade einmal vollzogen und nun durfte die 22-Jährige sich erstmals das Trikot der Meisterin überstreifen.
“Ich wusste nicht, ob ich gegen Christina den Sprint gewinnen kann. Das Ganze fühlt sich surreal an, auch wenn ich das Ziel hatte, hier den Titel zu holen. Es war natürlich hochgegriffen, da ich noch nie an den Straßenmeisterschaften teilgenommen habe“, fügte Sadnik an. Erst auf den letzten Metern zog sie noch an Schweinberger, die am Vortag den Titel im Einzelzeitfahren holen konnte, vorbei.
“Ich war eigentlich froh, als Kathi zu mir auffuhr. Denn ich war allein, es waren noch 25 Kilometer und die Hitze war brutal“, schilderte Christina Schweinberger, die als erste der Favoritinnen das Finale schon vor der letzten Runde um Schwanenstadt eröffnete. “Ich wollte nicht mit Kathi zum Sprint kommen, sie aber mit mir auch nicht. Am Ende hat sie das super gemacht“, anerkannte Schweinberger, deren Teamkollegin Carina Schrempf dann noch zu Bronze sprintete und dabei überraschend Kathrin Schweinberger, die Titelverteidigerin, in die Schranken wies.
“Es war kein einfacher Tag, weil der Kurs so viele Optionen offenlässt. Du musstest aber auch aktiv fahren, damit wir uns von den Sprinterinnen lösen. Die Situation war dann gut, als Christina wegfuhr. Katharina sprang dann noch an ihr Hinterrad, die beiden drückten ordentlich auf der Gerade und dann holst du sie nicht mehr zurück. Ich konnte mich dann etwas schonen und habe einen guten Sprint erwischt und sie sind nicht mehr an mir vorbeigeschossen“, so Schrempf. Das Rennen der Juniorinnen gewann Carolina Trattner (RC Giruppetto Graz) vor Isabell Schebesta (RC Sparkasse Pernitz) und Magdalena Kleinsasser (RC ARBÖ Feld/See).
Michael Gogl setzt sich gegen Felix Großschartner durch
Mit einem Schnitt von über 46 Kilometer pro Stunde absolvierten die Elite-Männer ihre 170 Kilometer bei Temperaturen bis zu 38 Grad. Am Ende setzte sich der nur wenige Kilometer von Schwanenstadt in Wolfsegg aufgewachsene Gogl im Sprint durch gegen einen seiner besten Freunde im Peloton. “Wir kennen uns sehr gut, haben sechs Wochen zuletzt gemeinsam trainiert, was mir auch extrem geholfen hat. Wir haben uns nichts geschenkt, wollten beide den Titel. Ich war knapp dran, jetzt erfüllt sich für mich ein Traum“, erzählte der 32-Jährige, der in den letzten Jahren von vielen Verletzungen geplagt war.
“Das ist der schönste Tag meiner Karriere“, erklärte er und fügte an: “Zwei Mal war ich schon knapp vor dem Aufhören, habe mich immer wieder zurückgekämpft.“ Somit blieb für Großschartner erneut, wie auch schon 2025, der zweite Platz. “Es war eigentlich eine perfekte Situation für uns, als wir beide vorne waren. Wir haben gut zusammengearbeitet und ich hatte, wie auch schon vor einem Jahr, wieder Krämpfe im Sprint. Er hat sich den Sieg verdient“, so Großschartner, der am Samstag das Einzelzeitfahren für sich entscheiden konnte.
“Michael hatte immer wieder Verletzungsprobleme und ich freue mich für ihn, dass er ein Jahr lang das Trikot tragen darf“, fügte Großschartner an. Er und Gogl setzten sich schon vor den sechs kleinen Schlussrunden um den Philippsberg ab, dahinter versuchte Schrettl verzweifelt die Lücke zu schließen. Der WM-Bronzene in der U23 aus Kigali hielt das Tempo der Führenden, hatte im Alleingang aber keine Chance gegen das Duo vorne um seinen Rückstand zu verkürzen.
Am Ende fehlten dem Tiroler 34 Sekunden auf den Sieger. “Es war von Anfang an Vollgas. Jeder war nach der ersten Runde am Anschlag. Leider habe ich die Aktion von Felix und Michael übersehen, dann bin ich ihnen nachgefahren und es waren lange sechs Schlussrunden. Die Lücke von den 30 Sekunden konnte ich nicht mehr schließen“, bilanzierte Schrettl, der seit diesem Jahr für das kasachische WorldTeam unterwegs ist. Das Rennen der Junioren gewann Lorenz Ludwiczek (RC Panaceo KAC) vor Luis Reheis (ÖAMTC BikeWorks) und Santiago Wrolich (Team Tiepolo U19 Devo).
