RAN2026 - Schickmair/Meierhofer Österreichische Meister

Regen, Wind, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und sogar Schneeregen machten die 8. Auflage des Ultraradrennens in Weitra zu einem Duell gegen die Verhältnisse. Über 600 Kilometer und rund 6.000 Höhenmeter kämpften die Teilnehmer:innen über bis zu 30 Stunden hinweg gegen Wetter, Erschöpfung und sich selbst. Trotz widrigster Bedingungen bot das Rennen hochklassigen Sport, emotionale Geschichten und großartige Stimmung am mittelalterlichen Stadtplatz von Weitra. Dominik Schickmair und Dominik Meierhofer sicherten sich den österreichischen Meistertitel im 2er-Team. (Copyright Foto: Aigner)

Mit schnellster Zeit zum Meistertitel

In der österreichischen Meisterschaft im 2er-Team-Ultra sicherten sich Dominik Schickmair und Dominik Meierhofer in herausragenden 16 Stunden und 50 Minuten nicht nur den Titel, sondern auch die schnellste Zeit des gesamten Rennens in diesem Jahr. Der Premierensieger von 2019 (Schickmair) und Europameister des Vorjahres (Meierhofer) verwiesen das oberösterreichische Team CLR Sauwald Schwarzmüller mit acht Minuten Rückstand auf Rang zwei. Die Lokalmatadore vom Team „ELK - 2RC FORMAT Kalteis“ komplettierten mit 27 Minuten Rückstand das Podium.

„Ich muss ein Riesen-Dankeschön sagen: Die zwei Betreuer haben einen 1A-Job gemacht. Die haben uns runtergeholt, wenn’s gut ging und gepushed, wenn es schlecht ging. Wir haben das gemacht, was wir im Winter trainieren. Länger hätte es aber nicht mehr sein dürfen. Es ist alles aufgegangen“, zeigte sich Meierhofer im Ziel erleichtert. Auch Schickmair war nach drei Jahren Rennpause überwältigt: „Es war mega. Mit dem Wettervorbericht die ganze Woche dachte ich mir schon: ‚Das muss nicht sein!‘ Ich bin jetzt aber so happy!“ Seine ersten Worte galten aber der Familie: „Danke, dass ihr uns das machen lasst. Neben der Familie rennt so viel Zeit ins Training.“

Zusammengebracht wurden die beiden übrigens von Philipp Kaider. Schickmair wird Kaider auch beim am 16. Juni startenden Race Across America im Betreuerteam unterstützen.

Spannende Soloentscheidungen Bei den Herren entwickelte sich erneut ein packendes Duell zwischen Vorjahressieger Daniel Kapeller und dem EM-Vierten des Vorjahres Simon Harringer. Über weite Strecken lagen beide praktisch gleichauf. „Wir waren auf 100 Meter zusammen. Bis zum Semmering sind wir nebeneinander gefahren“, schilderte Harringer. Nach dem Wechsel aufs Rennrad rechnete er eigentlich mit Vorteilen für seinen leichteren Konkurrenten – doch es kam anders. „Es war auf Messers Schneide mit der Verpflegung. Ich habe mehr Carbs zugeführt und wir haben geschaut, was geht. Das hätte auch komplett in die andere Richtung gehen können.“

Am Ende setzte sich Harringer klar durch und gewann mit knapp einer Stunde Vorsprung in 20 Stunden und 27 Minuten. Im Ziel überwogen Emotionen und Erleichterung: „Mir war nicht bewusst, wie cool es ist, als Erster ins Ziel zu fahren. Es ist ein super Gefühl.“ Auf die Frage nach einer Titelverteidigung meinte der Oberösterreicher mit einem Lachen: „Wir fahren nächstes Jahr sicher nicht mehr – aber fragt uns morgen nochmals!“ Auch Daniel Kapeller zeigte sich zufrieden: „Ich habe alles gegeben, schneller wäre es nicht gegangen.“

Bei den Damen verteidigte Cornelia Schlosser ihren Vorjahressieg souverän und gewann mit knapp zwei Stunden Vorsprung. Für sie stand angesichts der Bedingungen nicht die Zeit im Vordergrund: „Es ging heute nicht um die Zeit, sondern generell darum, bei diesen Wetterbedingungen zu finishen. Ich bin halt der Typ: umso härter, umso mehr möchte ich es durchziehen.“ Den Sieg im 2er-Damenbewerb holten sich die „FDC-Queens“ in 22:54 Stunden vor dem Team „DaRadlMa“.

Abenteuer, Schmäh und Teamgeist

Auch abseits der Spitzenzeiten schrieb das Rennen besondere Geschichten. Das Team „NO CARBS, NO GLORY!“ meisterte die 600 Kilometer mit viel Humor und Teamgeist. „Ohne Regen hätte es weniger Abenteuerwert gehabt“, hieß es aus dem Team. Für Kabarettist Gery Seidl war die Reise ebenso sportliche wie humorvolle Erfahrung: „Ich habe auf der Reise jetzt Fahrradfahren gelernt. Die Stützräder haben wir vor dem Ziel jetzt abmontiert. Es war ein Fest!“ Philipp Kaider, der das Rennen als Trainingsfahrt für das Race Across America nutzte, genoss die besondere Atmosphäre: „Es war mal ein bisschen etwas anderes – etwas chaotischer. Ich habe aber eine andere Perspektive kennengelernt. Ich kann die beiden nur empfehlen – bewerbt euch und fahrt mit ihnen.“

Wetter als größter Gegner

Das Rennen 2026 wird vielen vor allem wegen der extremen Bedingungen in Erinnerung bleiben. Über die gesamte Renndauer hinweg regnete es nahezu durchgehend – Wasser von oben und von der Straße unten inklusive. In der Nacht sanken die Temperaturen auf knapp über den Gefrierpunkt, starker Wind erschwerte die Situation zusätzlich. Kurz vor dem Hotspot St. Aegyd kam sogar Schneeregen dazu. Die Folge: die höchste Ausfallquote der bisherigen Rennhistorie. Rund ein Viertel der Teilnehmer:innen – insgesamt 25 Fahrer:innen – erreichten das Ziel nicht.

Weitra erneut perfekter Gastgeber

Trotz der schwierigen Bedingungen präsentierte sich Weitra einmal mehr als stimmungsvoller Gastgeber. Der mittelalterliche Stadtplatz war für die 8. Auflage festlich herausgeputzt. Zahlreiche Zuschauer:innen sorgten sowohl bei den Starts am Freitag als auch bei den Zieleinfahrten am Samstag für großartige Atmosphäre. Beim 2. RAN Run ging es wieder laufend durch die Altstadt der ältesten Braustadt Österreichs.